Workshop


für ÜbungsleiterInnen von
Erziehungs- und Grundkursen

Am letzten Samstag im Januar versammelte sich am Nachmittag beim Klubhaus eine Gruppe von Leuten, die sehr wichtige Arbeit für den KVA leisten: Sie leiten Erziehungs- und Grundkurse (EK/GK). Unsere technische Leiterin Françoise Bingler hatte sie zusammengetrommelt, um gemeinsam alle Übungen zu den Kurszielen an Probanden durchzu­spielen. Das Ziel dieses Workshops war, dass die EK/GK-Programme von allen Leitenden möglichst ähnlich vermit­telt werden.

Erfreulicherweise zeigte sich bald, dass weder Grabenkämpfe noch Glaubenskriege zu führen waren, ja dass sich die Anwesenden im Allgemei­nen recht einig waren. Grundsätzlich wollen wir als kynologischer Verein mithelfen, dass „artgerechte Haltung und Erziehung“ keine leeren Worthüllen bleiben

Folgende Schlussfolgerungen wurden gezogen:

Ein junger Hund soll langsam, ohne Zwang oder körperliches Drängen von seiner Vertrauensperson an neue Situationen wie (Sack-)Tunnel, Rost und Wackelbrett, Menschenmenge, Kinderwagen oder Pferd herangeführt werden.


Dafür müsste der Hund eigentlich abgeleint werden, damit er bei Bedarf ausweichen kann .









Zum Beispiel wenn Menschen auf ihn zugehen:









Er bleibt zuerst in der Nähe seiner Vertrauensperson,
inmitten der Menge.











Dann zieht er Bewegungsfreiheit der Enge vor und geht hinaus.











Auf Zurufen getraut er sich, trotz der vielen Beine zurückzukommen.








Im befohlenen Platz wird ebenfalls nicht sichtbar, ob ein Hund der Nähe lieber ausweichen würde









Aus Sicherheitsgründen sind leider nicht immer alle Übungen ohne Leine möglich. Angeleint bleibt unsicheren Hunden aber oft nur die Möglichkeit, aggressiv zu reagieren, was zu einem unerwünschten Lerneffekt führt.


Zudem besteht die Gefahr, dass sich die Hunde in der Leine verheddern.


   


Lernschritte müssen speziell bei unsicheren Tieren in Teilschritte unterteilt werden.



Vor allem angeleint darf die Distanz zu Angst einflössenden Objekten und Tieren …





 

 

 


… nur allmählich und individuell so verringert werden, …

… dass der Hund nie ängstlich oder aggressiv reagieren muss.




Belohnungen in Form von Streicheln oder Füttern bringen Unsicherheit oder Angst nicht zum Verschwinden, weshalb darauf im Kurs weitgehend verzichtet wird.

Wir wollen ja keine Hunde, die Hindernisse wegen der Belohnung trotz Angst begehen! Wir wollen den Hunden helfen, unnötige Ängste zu überwinden. Dann haben sie an den Hindernissen meist so viel Freude, dass das Begehen selbst zur Belohnung wird!

Viele Hundehalter deuten ängstliche Aufgeregtheit ihrer Hunde fälschlicherweise als Freude und verstärken sie dann erst noch, indem sie die Hunde streicheln oder selbst übermütig mitmachen. Die KursleiterInnen greifen hier bremsend ein und erklären ihnen, dass sie besser Ruhe bewahren und Selbstsicherheit ausstrahlen sollten.

Futter verwenden wir, um den Hunden neue Hör- und Sichtzeichen wie Sitz und Platz beizubringen

Das Futter erzeugt eine gerichtete Aufmerksamkeit und durch geschicktes Führen der Futterhand bewegt sich der Hund wie gewünscht. Vernimmt er gleichzeitig zur Bewegung das Hörzeichen, wird nach mehreren Wiederholungen der Bewegungsablauf mit dem Wort verknüpft im Gedächtnis gespeichert.


Sich zu setzen oder niederzulegen ist an sich keine Mutprobe. Solange der Hund dabei keiner Angst erzeugenden Umgebung ausgesetzt ist, spricht nichts gegen die Futtergabe. Wichtig ist jedoch, ohne Futter weiter zu üben, sobald die Verknüpfung stattgefunden hat. Macht man dies nicht, gehorcht der Hund bald nur noch, solange er gute Chancen auf baldige Erfüllung seiner anerzogenen Futter-Erwartung wittert …

Folgende Bilder zeigen weitere lehrreiche Fallbeispiele:
In der nächsten Situation gilt es darauf zu achten, wie sich Hund und Hundehalterin verhalten, wenn der Hund sie erblickt hat: Kommt er ganz zu ihr hin oder macht der Hund seine eigenen Rennspiele, nachdem er erkannt hat, dass sie noch da ist? Braucht sie fürs Anlocken zum Anleinen (verdeckt) Futter oder nähert sich der Hund ohne Scheu vor ihrer Körpernähe?




Dieser Hund möchte kaum mit dem Pferd spielen! ... Das Bild zeigt, dass Vorderkörper-Tiefstellung nicht a priori eine Spielaufforderung bedeutet. Der Hund weiss noch nicht, wie er sich verhalten soll – er taxiert: „Taxierstellung“ (nach Berlowitz/Weidt) bringt den offenen Ausgang des Geschehens gut zum Ausdruck.

 


Seine Unsicherheit wird hier sichtbar. Die Hundehalterin gibt ihm Zeit, sich mit dem „Fremden“ auseinanderzusetzen, es kennen zu lernen. Vorsichtig erkundet er das Pferd über Auge und Nase und verwandelt dabei Unbekanntes in Bekanntes - Unsicherheit in Sicherheit. Futter würde ihn bei diesem Lernvorgang unnötig von seinen Wahrnehmungen ablenken.


 

Hier kommt der Junghund nicht aus freien Stücken ans Pferd heran; die Leine zwingt ihn dazu. Einerseits wirkt der Halter als gutes Vorbild, indem er sich selbstsicher dem Pferd zuwendet. Andererseits sollte seine Aufmerksamkeit eher beim Hund als beim Pferd liegen, damit er situationsgerecht auf den Hund eingehen und ihn durch Animation unterstützen könnte.


Die abgewandte Sitzstellung sagt ungefähr: „Damit will ich nichts zu tun haben!“ Solange keine eigenaktive Auseinandersetzung mit der Angst auslösenden Quelle stattfindet, ist das Problem noch nicht bewältigt. Einige Hunde würden in der gleichen Situation anstatt ignorierend beispielsweise aggressiv reagieren.







Nein, Favaro, wir nehmen dir das nicht übel! Du hast wieder einmal so viel Engelsgeduld bewiesen, dass so ein Häufchen nicht der Rede wert ist …Dir und deiner Reiterin Manuela Schenker danken wir herzlich für eure Einsätze auf dem KVA-Übungsplatz.

 

Wer genau hinschaut erkennt, dass der nächste Hund nicht ganz so cool ist, wie es auf den ersten Blick scheint:




Während der Begrüssung bleibt er noch sitzen, wie ihm befohlen wurde. Er hechelt aber trotz Kälte - Zeichen seiner erhöhten Erregung.









 


 

 

Anschliessend lässt er eine Berührung über sich ergehen, steht aber dabei auf. Das Wichtigste aber ist: Er zeigt weder offene Angst noch Aggressivität.






 


 

 

Weil der Rost quer liegt, ist ein Sprung darüber kein Aufwand. So lernt der Hund nur, wie er ausweichen kann.







 

 

In Längslage, mit Begleitpersonen auf beiden Seiten, mit viel Geduld, Ruhe und Zeit geht es schliesslich doch







Da half weder hüpfen und stampfen …noch sich einmummen...

                

...die Januarsonne wollte einfach nicht richtig wärmen.

Aber für ein freundliches Lächeln reichte es trotzdem immer!

 

 

 

Text und Fotos von Sonja Rohr